Baselworld vor dem Aus


Das Komitee der Schweizer Aussteller hat der Messeleitung einen geharnischten Brief geschickt. In dem Schreiben verlangen die Aussteller, dass ihnen sämtliche Gebühren für die abgesagte Ausgabe 2020 rückerstattet werden. Sonst, so die nett formulierte, aber dennoch unverhohlene Drohung, "befürchten wir, dass dies schlicht und einfach das Ende der Baselworld sein wird". Anlass für den Ärger ist eine Mitteilung der Baselworld von Anfang April, in der die Messe ihren Schweizer Ausstellern verschiedene Modelle vorschlägt, wie mit den bereits bezahlten Beträgen für 2020 umzugehen sei. Entweder könnten 85% des Betrags auf die Messe 2021 übertragen werden, die im kommenden Januar stattfindet (die verbleibenden 15% dienten dazu, die teilweise bereits angefallenen Kosten zu kompensieren). Alternativ könnten die Aussteller eine Rückerstattung von 30% in bar beantragen. In diesem Fall würden 40% auf die Baselworld 2021 übertragen (und mutmasslich 30% gingen an die Messeorganisation).
Laut der Baselworld gehen diese Bedingungen weit über die vertraglichen Verpflichtungen (allgemeine Geschäftsbedingungen) hinaus. Man sei viel grosszügiger als die grosse Mehrheit ähnlicher europäischer Messen, die abgesagt oder verschoben werden mussten. Diese Argumentation ist den Uhrenherstellern, die derzeit ebenfalls sehr stark unter der Corona-Krise leiden, in den falschen Hals geraten.
Von der MCH Group, die zu einem grossen Teil der öffentlichen Hand gehöre, hätte man mehr erwartet, als auf Vertragsbedingungen zu pochen, heisst es in dem Brief. Schliesslich erklärten Bund und Kantone derzeit immer wieder, dass es jetzt darum gehe, das Wirtschaftsgefüge trotz der Corona-Krise zu erhalten, und dass dazu die regulatorischen Rahmenbedingungen oder rechtlichen Zwänge angepasst werden müssten. Zudem habe Ulrich Vischer, der Präsident des Verwaltungsrats der MCH Group, am 26. März dieses Jahres öffentlich erklärt, die MCH Group habe reichlich Liquidität.
Die Aussteller wollen zwar in erster Linie ihr Geld zurück. Aber sie scheinen auch in anderer Hinsicht unzufrieden zu sein. So wird erwähnt, dass das für 2021 gewählte Januardatum für den Bereich Schmuck, Edelsteine und Perlen nicht geeignet sei. Zudem gebe es seit der Verschiebung keine Koordination mit der zweiten wichtigen Uhrenmesse, der Watches & Wonders Geneva (ehemals SIHH), mehr.
Die Klage des Schweizer Ausstellerkomitees wiegt schwer, denn ohne die darin versammelten Firmen gibt es keine Baselworld. Das wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Präsident des Komitees, Hubert du Plessix, der den Brief unterschrieben hat, Chief Investment Officer von Rolex ist.
Rolex gehörte bisher zu den loyalsten Aussteller der Baselworld. Für 2020 war sogar ein Ausbau der Messepräsenz geplant gewesen. So sollte die Tochtermarke Tudor, die bis anhin eine Ecke des Rolex-Stands besetzte, einen eigenen Stand bekommen. Und wie geht es nun weiter? DB wird berichten.

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