Aus für Dawanda

Goldschmiedin Birgit Schülein, Art.Argentum/76135 Karlsruhe: Ich verkaufe seit einigen Jahren meinen Schmuck auf Dawanda. Meinen festen Arbeitsvertrag habe ich vor einigen Jahren gekündigt

und alle weiteren zusätzlichen Einkommensmöglichkeiten aufgegeben, weil ich mit meinem Shop genug verdient habe. Ich habe mich völlig darauf verlassen, dass Dawanda weiterwächst. Das Aus hat mich ohne Vorwarnung getroffen - es ist entsetzlich und bedroht meine Existenz. Ein Super-GAU für Selbstständige. Bei Etsy habe ich seit sechs Jahren eine Seite, dort aber bislang nur sechs Produkte verkauft. Das Portal ist einfach zu groß und hat zu viele Mitglieder. Ich sehe da einfach keine Zukunft.
Vielen geht es ähnlich. Der Online-Shop für Handgemachtes hat nach eigenen Angaben rund 70.000 Verkäufer. Holzspielzeugbauer, Schmuckdesigner oder Fahrradtüftler bringen ihre Produkte über DaWanda an den Mann und zahlen dem Unternehmen dafür eine Provision. Für sie alle wird ab August, wenn DaWanda endgültig schließen will, ein wichtiger Vertriebsweg wegbrechen.
DaWanda, der in Deutschland, Österreich und der Schweiz führende Online-Marktplatz für Selbstgemachtes und Gebasteltes, wird in wenigen Wochen schließen. Das Unternehmen wird nach fast zwölf Jahren abgewickelt, Mitarbeiter werden entlassen, die Webseite offline gehen. Dabei galt das Unternehmen als eines der wenigen deutschen Vorzeige-Startups.
Dabei konnte DaWanda zuletzt seine Geschäftszahlen verbessern; im Herbst 2017 konnten erstmals schwarze Zahlen geschrieben werden. Gescheitert ist das Unternehmen also nicht, doch es konnte seine Investoren offenbar nicht mehr überzeugen: DaWanda hatte nach eigenen Angaben schon seit Ende des vergangenen Jahres nach einem neuen Partner gesucht und keinen gefunden.
Die große Frage ist, warum das nicht gelang. Vielleicht lag es an der deutschen Sprache der Webseite, die das weltweite Wachstum eingrenzte. Der US-Konkurrent Etsy auf dem viel größeren amerikanischen Markt war in den vergangenen Jahren längst an DaWanda vorbeigezogen und wächst zurzeit in Deutschland überdurchschnittlich stark.
Etsy setzte sich nun offenbar als alleiniger Anbieter auf dem Markt für Selbstgebasteltes durch - und das sei schlecht, meint Dr. Katja Henschler von der Verbraucherzentrale Sachsen: "Wir sehen ja jetzt schon im Onlinebereich, dass die großen Anbieter immer größer werden."
Dabei sei insbesondere an Amazon als Plattformbetreiber zu denken. Eine Marktkonzentration bedeute nie etwas Gutes für den Verbraucher, weiß Henschler. Es heiße, dass die Großen die Bedingungen diktieren würden. "Somit haben die Verbraucher weniger Vielfalt. Weniger Vielfalt ist schlecht für den Markt, für die Preise - und am Ende kann der Verbraucher einfach nicht mehr wählen."
Zurzeit arbeitet DaWanda nach eigenen Angaben zusammen mit dem US-Unternehmen Etsy an einem Tool, mit dessen Hilfe die Verkäufer zum bisherigen Konkurrenten wechseln können. Bei diesem Deal wird Etsy allerdings keine Anteile von DaWanda übernehmen. Die 150 Mitarbeiter, die DaWanda noch beschäftigt, sollen eine Abfindung erhalten.

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