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Büchse von Pandora

Der griechischen Mythologie zufolge enthielt die Büchse der Pandora alle der Menschheit bis dahin noch unbekannten Übel wie Arbeit, Krankheit und Tod. Als Pandora die Büchse öffnete, entwichen diese Übel in die Welt und veränderten sie schlagartig und für immer zum Schlechten.

Diese Episode der alten Griechen erinnert in groben Zügen an den Sündenfall von Adam und Eva in der Schöpfungsgeschichte. Auch hier waren es verbotene Genüsse beziehungsweise eine Art Unachtsamkeit und Unbekümmertheit, die schließlich zur Vertreibung aus dem Paradies durch den erzürnten Gott geführt haben. Damit haben sowohl das Urpaar der Menschheit als auch Pandora, die von Hephaistos auf die Weisung von Zeus hin zur Bestrafung der Menschheit als erste Frau geschaffen wurde, eine unendliche Schuld auf sich geladen, beide Male gegenüber der gesamten Menschheit. Ob die Schuld des ebenfalls unter dem Namen Pandora firmierenden Modeschmucklabels PANDORA A/S, DK-1561 Kopenhagen, ebenso groß ist wie das seiner antiken Vorfahren, ist noch nicht bekannt, dürfte sich aber bald herausstellen. Hier hilft ein Blick in die jüngsten Pressemitteilungen des Unternehmens: Die Aktionäre sind wohl not amused über die sich deutlich abschwächenden Wachstumsraten, die sich für die kommenden Jahre abzeichnen. Statt den gewohnten Zuwächsen von 15 Prozent, wie im vergangenen Jahr, soll Pandora in den nächsten Jahren um lediglich 7 bis 10 Prozent wachsen. Auch die Gewinnmargen geraten unter Druck, befinden sich mit gut 35 Prozent aber immer noch auf einem recht hohen Niveau, wie man meinen sollte. Gegen diese schleichende Erosion von Umsätzen und Erträgen wurde als Heilmittel zunächst eine drastische Flutung des Sortiments mit neuen Kollektionen und Produkten auserkoren. Nicht weniger als 800 Neuheiten will man nun pro Jahr bis 2022 in die Geschäfte und Online-Stores pumpen. Zu eintönig seien die bisherigen Kollektionen gewesen, zu wenig Schwung habe sich bei der Modellpolitik breit gemacht. Mit der neuen „Charm“-Kollektion hofft man bei Pandora nun auf die Gewinnung neuer Kunden. Wo nun „Charm“ herrschen soll, sucht man Scham allerdings wohl vergeblich. Anders ist eine solch dreiste Eröffnung eines Konkurrenz-Stores in Sichtweite zum eigenen Franchisepartner wohl kaum zu erklären. Man darf gespannt sein, wie die Dänen eine solche Entgleisung rechtfertigen wollen. Ist sie das geheime Wundermittel gegen zurückgehende Umsätze und Gewinnmargen? Will Pandora sich wieder selbst der Nächste sein, wenn es um die Abschöpfung der Profite geht? Wie dem auch sei, eine verantwortungsvolle Politik im Sinne einer langfristigen, vertrauensvollen und beiden Seiten Nutzen bringende Unternehmenspolitik sieht anders aus. Mit der hier gezeigten Strategie fährt Pandora zunächst erst einmal gegen die Wand, und sei es erst einmal nur juristisch. Immerhin: Das Unternehmen hat gegenüber DB signalisiert, dass man sich demnächst „mit der Thematik auseinandersetzen will und dann wieder auf uns zurückkommt“. Es bleibt also spannend, was sich noch alles in der Büchse von Pandora verbirgt. Der Anfang jedenfalls verspricht, so viel ist bereits klar, nichts Gutes für die Franchisenehmer in Wien und anderswo.

Herzlichst

Ihr Dipl. Kfm. Robert Brachfeld

DB-Herausgeber

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