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Letzte Goldschmiede-Meisterin der Stadt
Diamantbericht...Über Jahrzehnte war Edda Kühn(67)/17389 Anklam die einzige Goldschmiedin in Anklam. Seit 1983 war die Meisterin ihres Handwerks in der Peenestadt selbstständig. In diesen Tagen löst sie ihre Werkstatt und das dazugehörige Ladengeschäft in der Frauenstraße auf und freut sich auf mehr Zeit für liebgewonnene Hobbys und ihre Enkelkinder in ihrem Ruhestand.
Wie ist sie auf die Idee gekommen, ausgerechnet Goldschmiedin zu werden? Edda Kühn weiß gar nicht, wie oft sie das schon erzählt hat, und insbesondere für die alteingesessenen Peenestädter dürfte der Zusammenhang auf der Hand liegen. Sie stammt nämlich aus der einstigen Uhrenmacherfamilie Riwe und hat schon als Kind viel Zeit in der väterlichen Werkstatt verbracht. Doch das Uhrenmacher-Handwerk sei ihr „zu technisch“ gewesen. Als Goldschmiedin konnte sie zumindest ihre Kreativität ein wenig mehr ausleben.
1975 ging sie in Greifswald in die Lehre und schloss dann auch zeitnah die Meisterausbildung ab, berichtet sie. Denn wer sich damals selbstständig machen wollte, musste auch den Meisterbrief in der Tasche haben. Mit der Meister-Ausbildung bei der Handwerkskammer in Neubrandenburg und vor allem an den praktischen Teil, den sie in Dresden absolvierte, verbindet sie wunderbare Erinnerungen.
Denn auch ihr Verlobter und späterer Mann Michael Kühn war zu dieser Zeit als Student in Dresden und sie hatten dort eine schöne Zeit. Freundschaften, die in diesen Tagen geknüpft wurden, begleiten sie bis heute, blickt Edda Kühn dankbar zurück. Auch eines ihrer Meisterstücke, ein goldenes Armband, hat sie bis heute noch.
Ihr erstes eigenes Geschäft in Anklam eröffnete sie dann 1983 in der Pasewalker Straße 40, direkt neben dem Uhrengeschäft von Herrn Müller. „Das passte gut“, erinnert sie sich. In diesen Jahren wurde noch viel repariert. Auch mit der Mangelwirtschaft der DDR musste sie sich arrangieren.
Es gab einfach kaum Gold und Silber, alle Ersatzteile, die man heute einfach so bestellt, mussten zu dieser Zeit selbst angefertigt werden. Das Material gab es auf Zuteilung von der Einkaufs- und Liefergenossenschaft in Stralsund. Viele Kunden, die etwa Trauringe benötigten, brachten vorher Gold zum Einschmelzen vorbei. „Jeder war froh, wenn er überhaupt etwas bekommen hat oder wenn etwas repariert werden konnte“, so Edda Kühn.
1990 eröffnete die Handwerksmeisterin ihr Geschäft in der Demminer Straße. Das passte gut, sagt sie, weil sie auch im selben Haus wohnten, und so konnte sie Arbeit und Familie, zu der inzwischen auch zwei Kinder gehörten, gut unter einen Hut bringen. Wie sie selbst auch, wuchs ihr Nachwuchs ebenfalls größtenteils in der Werkstatt auf. Dass die Kinder wiederum nicht in ihre Fußstapfen getreten seien, ist für die Kollegin aber kein Problem. Sie sei glücklich, dass beide beruflich erfolgreich ihren Weg gegangen seien.
2004 weihte Familie Kühn das neu errichtete Wohn- und Geschäftshaus in der Frauenstraße Nummer 20 ein, das Edda Kühn im Erdgeschoss mit ihrer Goldschmiede-Werkstatt und einem großen Ladenlokal bezog. Ihr inzwischen bereits verstorbener Mann richtete sich damals im ersten Obergeschoss mit seinem Ingenieurbüro ein.
An dieser Stelle endet zum 1. Februar jedoch das Kapitel der Anklamer Goldschmiede-Werkstatt von Edda Kühn. Einen Nachfolger zu suchen, stand für sie nicht zur Debatte. Man könne heutzutage kaum davon leben, meint sie. Auch wenn es alles zu kaufen gibt, sind die Kosten für Material und alle Nebenkosten momentan enorm hoch und die Nachfrage sowie Kaufkraft in der Region viel zu gering. Sie sei jedoch in Gesprächen mit potenziellen Nachmietern für das Geschäft, kündigt sie an.
Leider sei die Frauenstraße nicht zu der einst geplanten Bummel- und Geschäftsstraße geworden, bedauert sie. In den meisten Läden befinden sich aktuell Anwalts- oder Versicherungsbüros. Sie selbst hat noch bis Ende der Woche geöffnet und bietet ihren Kunden zum Ausverkauf einen guten Rabatt. „Alles, was nicht verkauft wird, geht zum Einschmelzen“, erklärt sie. Die Rohstoffpreise für Gold und Silber seien gerade sehr hoch. Die finalen Öffnungszeiten sind am Mittwoch von 11 bis 15 Uhr, am Donnerstag von 10 bis 18 Uhr und am Freitag von 11 bis 15 Uhr. Danach ist Schluss.
Sie freut sich auf die Zeit ohne Verpflichtungen oder Termine und hat für ihren Ruhestand auch keine besonderen Pläne geschmiedet. Bevor es soweit ist, muss sie aber auch noch die letzten Utensilien aus der Werkstatt räumen und auch den Ladentresen aus dem Geschäft schaffen. Letzterer hat zwar schon einige Jahre auf dem Buckel, ist aber noch gut in Schuss.
„Wer sich dafür interessiert, kann sich gern melden“, wendet sich Edda Kühn an interessierte Geschäftsgründer. Feilen, Zangen und einige Erinnerungsstücke werden den Weg in den Haushalt der Fast-Rentnerin finden, doch eine Hobby-Goldschmiedewerkstatt will sie sich keinesfalls einrichten, sondern sich neuen Freizeitbeschäftigungen widmen oder einfach nur einmal Nichtstun, kündigt sie an.

