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Panik beim Bucherer
Hinter der glanzvollen Fassade des Schweizer Luxusuhren-Händlers Bucherer brodelt es gewaltig. Drei Jahre nach dem milliardenschweren Kauf der Bucherer-Gruppe greift die neue Eigentümerin Rolex durch. Was jahrelang unter dem Deckmantel traditioneller Diskretion lief, steuert nun auf ein handfestes Führungsbeben zu: Bei der Bucherer-Spitze herrscht helle Aufregung, während der Genfer Uhrenriese den Besen ansetzt.
Im Herzstück des Imperiums – dem legendären Flagship-Store am Luzerner Schwanenplatz – bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen. Den Anfang machte der abrupte Abgang des langjährigen Store-Chefs. Dem Schritt folgte eine regelrechte Kündigungswelle: Zahlreiche erfahrene Verkäufer kehrten dem Mutterhaus binnen kurzer Zeit den Rücken. In Branchenkreisen heißt es, die Ausgemusterten hätten gemeinsam rund 10 bis 15 Prozent des Umsatzes des Luzerner Standorts generiert. Dass Rolex hier ohne Rücksicht auf kurzfristige Umsatzeinbußen aufräumt, verdeutlicht die Dringlichkeit der Genfer Intervention.
Im Zentrum des Sturms steht Guido Zumbühl. Seit 2009 leitet der Vorstandsvorsitzende die Geschicke der Bucherer-Gruppe und führte das Unternehmen lange Zeit nahezu uneingeschränkt. Doch ebenjene Ära der absoluten Kontrolle gerät nun ins Wanken. Während Store-Leiter weltweit über die üblichen Hierarchiestufen rapportierten, genoss der Luzerner Standort unter Zumbühl laut Insidern jahrelang direkte Immunität und Sonderrechte. Gerüchte über bevorzugte Zuteilungen begehrter Rolex-Uhren an der offiziellen Warteliste vorbei sowie interne Unregelmäßigkeiten setzen das Management unter Erklärungsnot. Auch die frühere Finanzchefin verließ die Gruppe im vergangenen Jahr nach Problemen rund um eine weltweite IT-Einführung.
Seit der historischen Übernahme von Bucherer zeichnete sich ab, dass Rolex die Führung nicht mehr wie zu Zeiten des verstorbenen Patriarchen Jörg Bucherer laufen lassen würde. Bereits mit der schrittweisen Einstellung verlustreicher Sparten zeigte die Genfer Mutter, wie kühn und wirtschaftsgetrieben sie zu steuern gedenkt. Dass der Mutterkonzern nun auch im Vertriebsnetz und im Management durchgreift, sendet ein klares Signal an die gesamte Branche: Transparenz, operative Perfektion und kompromisslose Governance stehen bei Rolex an erster Stelle – selbst wenn dafür langjährige Spitzenkräfte weichen müssen. Offizielle Stellungnahmen zu den Personalentscheidungen lehnten beide Häuser erwartungsgemäß ab.
