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200-jähriges Bestehen

Vor 200 Jahren, als der Juwelier Range gegründet wurde, hatte Kassel gerade mal 25 000 Einwohner und Kurfürst Wilhelm II. hatte drei Jahre zuvor die Regierungsgeschäfte übernommen.

Nicht nur seine, auch die Hofhaltungen anderer Fürsten- und Königshäuser gaben Prunkstücke und Preziosen in Auftrag bei dem Kasseler Juwelierbetrieb, der anfangs allerdings noch nicht Range hieß: Der Gold- und Silberschmiedemeister Friedrich Proll gründete das Geschäft 1824 an der Frankfurter Straße 4, das wäre heute etwa gegenüber der Elisabethkirche.

Dort ging auch Wilhelm Range, der Ururgroßvater vom heutigen Firmenchef Bernd Range, in die Lehre und heiratete in den Betrieb ein. 1854 übernahm er das Geschäft, das noch heute unter seinem Namenskürzel W. Range firmiert, und zog 1865 an die Obere Königsstraße um, wo das Juweliergeschäft seither ansässig ist.

Dort erlebte der Betrieb in der Kaiserzeit bis zum Ersten Weltkrieg seine geschäftigste Epoche, berichtet Bernd Range, der das Traditionsunternehmen mit seiner Frau Anja in sechster Generation führt: Das wilhelminische Bürgertum habe repräsentieren wollen; „wir haben Silberbestecke verkauft wie verrückt.“ Auch Tafelsilber wie Schalen, Kännchen, Kerzenleuchter sei begehrt gewesen. Üblicherweise hat die Firma solche Teile damals als halbfertige Rohlinge bezogen, in der eigenen Werkstatt mit Dekors veredelt und mit dem Range-Stempel versehen.

Zu dieser Zeit arbeitete auch eine Kasselänerin im Laden mit, die später als engagierte Frauenrechtlerin und eine der ersten Frauen im Stadtparlament Bekanntheit erlangte: Johanna Wäscher, geborene Lange und Tochter des damaligen Inhabers. Nach ihr ist auf der Marbachshöhe eine Straße benannt.

Das ursprüngliche Gebäude mit der typisch Oberneustädter Fünf-Fenster-Fassade gibt es freilich nicht mehr. Bei dem Bombenangriff vom 22. Oktober 1943 wurde es wie auch die umliegenden Häuser dem Erdboden gleich gemacht. Erhalten blieb lediglich ein stählerner Tresor aus dem 19. Jahrhundert, der bei dem Bombeneinschlag in den Keller gestürzt war. Das schwere Stück steht noch heute in einer Ecke der Geschäftsräume, Bernd Range hält es in Ehren. Gebaut wurde der Stahlschrank von einem Kasseler Unternehmen mit noch längerer Tradition: der 1798 gegründeten Metallbaufirma Dallwig.

Nach dem Krieg zog das Juweliergeschäft zunächst provisorisch ins nahe Henschelhaus ein, bevor Bernd Ranges Großvater Helmut auf dem Trümmergrundstück 1950/51 den heutigen Neubau errichten ließ. In den Jahren danach, so wird in der Familie erzählt, bekam der Laden einmal illustren Besuch: Die Filmdiva Sophia Loren sei in der Nachbarschaft bei einer Kinopremiere zu Gast gewesen und habe sich vor allzu neugierigen Reportern kurzzeitig in das Juweliergeschäft geflüchtet.

Dort spielte Goldschmuck eine zunehmende Rolle, nachdem Bernd Ranges Mutter Ursula, aus einer Goldschmiedefamilie stammend, 1962 in das Geschäft eingetreten war. Sie wohnt noch heute im Haus über den Ladenräumen. Ihr Sohn Bernd ist seit 1994 dabei, führt das Unternehmen seit 1999 mit seiner Frau Anja in sechster Generation und hat als Goldschmiedemeister die Schmuckwerkstatt-Aktivitäten der Firma ausgebaut.

Heute machen Trauringe einen Großteil der Umsätze aus, erzählt Range. Von der Kundschaft geschätzt werde dabei eine ehrliche und auch kritische Beratung, denn „nicht alles passt gut zu jeder Fingerform“. Hier wie auch bei anderen Schmuckwaren wolle die Firma „eine mittlere Preislage bedienen“ und angesichts kräftig steigender Goldpreise nicht übermäßig exklusiv antreten.

Im Jahr des 200. Jubiläums sieht Bernd Range (62) die Traditionsfirma mit sechs Mitarbeitenden gut aufgestellt: „Unsere Ergebnisse sind gut.“ Mit den aktuellen Inhabern solle die Firmengeschichte noch eine Weile fortgeschrieben werden. Bei Tochter Anna und Enkelin Charlotte (13 Monate) habe die Babypause derzeit Vorrang vor Nachfolge-Überlegungen.

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