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50 Jahre Wempe in Frankfurt
Ledersessel, Samtteppich, Ziersäulen: Beim Blick in dieses Geschäft fühlten sich Kunden in einen englischen Club versetzt. Genau diese Mischung aus Gediegenheit und Luxus strebte das Juwelier-Unternehmen Wempe/60313 Frankfurt an, als es im Sommer 1970 seine erste Niederlassung im Frankfurter Steinweg eröffnete.
Heute, 50 Jahre später, gilt das Geschäft, das seit Mitte der 1970er-Jahre direkt an der Hauptwache residiert, als Institution in Sachen Uhren und Schmuck. "Unter unseren Stammkunden sind Familien, die schon in dritter Generation hier einkaufen", sagt Geschäftsführer Uwe Beckmann.
In diesen fünf Jahrzehnten hat sich manches verändert. Nicht nur das Interieur der Filiale, sondern auch Uhren und Schmuck selbst. Die Durchmesser der Chronometer wuchsen, ebenso die Fülle der verwendeten Materialien. Während man vor 50 Jahren überwiegend Gold und Platin einsetzte, kamen Anfang der 1980er-Jahre Quarzuhren groß in Mode, danach knallbunte Swatch-Exemplare. Heute werde viel mehr Metall verwendet als früher, sagt Beckmann, etwa Stahl, Titan und Tantal. Und statt der breiten, schweren Goldarmbänder, wie sie in den 1970er-Jahren gefragt waren, sind heute leichte, filigrane Schmuckstücke modern.
Der Wempe-Standort an der Hauptwache, in dem 32 Mitarbeiter tätig sind, ist in gewisser Weise typisch für das Hamburger Familienunternehmen: nicht unbedingt die feinste Ecke der Stadt, aber "mitten im Leben", formuliert es der Geschäftsführer. Schließlich sehe man sich nicht nur als Juwelier für die oberen Zehntausend, sondern auch für die bürgerliche Mitte. Vor allem der 88-jährige Seniorchef Hellmut Wempe lege größten Wert darauf, das nach außen sichtbar zu machen, erzählt Beckmann schmunzelnd: "Wehe, es war nicht der Ohrstecker für 128 Euro im Schaufenster, wenn er zu Besuch kam - dann gab's richtig Ärger."
Diese Denkweise dürfte eines der Erfolgsrezepte für das Unternehmen sein, das 1878 als kleine Uhrenwerkstatt mit Verkauf in Elsfleth in der Nähe von Oldenburg gegründet wurde und 1907 nach Hamburg umzog. Auch dank der aufwendigen Gestaltung seiner Schaufenster wurde Firmengründer Gerhard D. Wempe bald der Spitzname "Gülden Gerd" verpasst. Sohn Herbert Wempe baute das Filialnetz aus, legte den Grundstein für eine eigene Chronometerfertigung - und machte 1929 mit einen spektakulären Vorfall von sich reden.

