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Seit 1872 in Soest erfolgreich

Diamantbericht...Dem denkmalgeschützten Gebäude sieht man anhand des Fachwerkstils schon sein Alter an. Innen, in den modern eingerichteten und gut ausgeleuchteten Räumen, zeugen zunächst nur die niedrigen Decken von vergangenen Zeiten – doch aus den hinteren Räumen dringen Geräusche nach vorn in den Verkaufsraum, die man längst nicht mehr in jedem Geschäft hört, in dem vergleichbare Waren gehandelt werden. Mal ist es das Klopfen, wenn Goldschmiedemeisterin Elvira Noack einen Trauring auf einem Ringstock schmiedet, mal das Geräusch, wenn ein Brillenglas geschliffen wird. Im Juweliergeschäft Raabe nämlich wird nichts eingeschickt in zentrale Fertigungsstätten, wie es bei Filialisten in der Regel der Fall ist, hier wird noch alles in handwerklicher Arbeit von Meisterhand selbst gemacht.

Der Name Raabe über der Tür gehört zur Tradition. „Meine Eltern übernahmen das Geschäft bereits von den Raabes und ich übernahm es von ihnen Anfang der Neunzigerjahre“, meint der heutige Inhaber Armin Noack. Die Frage, wie er also auf seine Berufung und die Selbstständigkeit stieß, lässt sich im Falle des Optiker- und Uhrmachermeisters also zusammenfassen in einem Satz: Es wurde ihm in die Wiege gelegt. Das Geschäft selbst wurde spätestens 1872 gegründet, so weit lassen sich die Spuren zurückverfolgen.

Dass sich das Unternehmen bis heute behauptet, führt Noack nicht auf aggressive Werbung oder Preisstrategien zurück. Im Gegenteil: Klassische Konkurrenz spiele für ihn eine geringere Rolle als oft angenommen. „Jeder geht ja irgendwo hin, wo er sich gut aufgehoben fühlt“, sagt er. Kunden, die gezielt Beratung und Qualität suchten, suchten bewusst inhabergeführte Geschäfte auf.

Gerade in der Augenoptik, einem zunehmend umkämpften Markt, habe sich sein Kundenstamm sogar stetig vergrößert. Trotz wachsender Zahl von Anbietern in Soest, laut Google dürften es 13 Geschäfte sein, verzeichne er „jedes Jahr mehr Kunden“. Entscheidend sei dabei weniger der Preis als vielmehr die individuelle Betreuung. Während Filialisten häufig mit günstigen Angeboten bei den Fassungen lockten, ihr Geld dann aber mit den Gläsern verdienten, liege der Fokus bei ihm auf hochwertigen Fassungen, präziser Anpassung und langlebigen Lösungen.

Ein zentraler Unterschied: die besagte eigene Werkstatt. Brillengläser werden vor Ort angepasst, geschliffen und kontrolliert – ein handwerklicher Prozess, der sich nicht vollständig auslagern lasse. Gerade bei komplexeren Sehanforderungen sei Kontinuität in der Betreuung entscheidend, etwa wenn immer derselbe Ansprechpartner den Kunden begleite.

Dafür werden er und seine Frau von der Kundschaft mit ihrem Vertrauen belohnt. Viele Auftraggeber verzichteten sogar auf detaillierte Rückfragen und ließen Arbeiten einfach ausführen: „Das ist ein Zeichen, dass die Chemie passt.“ Umgekehrt nehme er keine Anzahlungen, „bei uns kann man noch sagen: Hier ist die Welt noch in Ordnung“.

Auch das Internet sieht er daher nicht als unmittelbare Bedrohung: „Schmuck muss man tragen und sehen. Und bei der Brille ist es nicht anders – das ist ein Halbfertigprodukt, das vor Ort angepasst werden muss. Diese Qualitätsstandards kann man übers Internet so nicht leisten.“ Entsprechende Tests hätten teils deutliche Qualitätsunterschiede gezeigt.

Nicht einmal Smartwatches stellten eine ernsthafte Konkurrenz für zeitlose Armbanduhren dar: „Natürlich haben die ihren Markt, aber die sind nach ein paar Jahren technisch überholt. Eine hochwertige Uhr dagegen bleibt. Wir merken sogar, dass solche Uhren wieder häufiger verschenkt werden – etwa zum Abitur. Das sind langlebige Werte, ganz anders als ein Computer oder eine Smartwatch, die nach fünf, sechs Jahren schon wieder ersetzt werden.“

Auf Werbung verzichte Noack komplett. Der Zulauf entstehe „über die reine Weiterempfehlung von Kunden“ und zunehmend auch durch soziale Medien, die eine größere Reichweite ermöglichten als die reine Laufkundschaft.

Inhaltlich habe sich das Sortiment im Laufe der Jahrzehnte immer wieder gewandelt. Während früher vor allem Goldschmuck und hochwertige Uhren gefragt gewesen seien, dominierten zwischenzeitlich Markenprodukte und günstigere Accessoires. Heute beobachtet Noack eine Rückkehr zu klassischen Werten: „Jetzt werden auch wieder große Vorsteckringe in Gold mit Brillant verkauft.“ Parallel sei die Bedeutung der Augenoptik stetig gewachsen und bilde inzwischen einen Schwerpunkt des Geschäfts, „und im kommenden Jahr werden wir nochmal weiter erweitern“. Nicht räumlich, Noack reagiert mit seinem Angebot flexibel auf die aktuelle Nachfrage. Diese Anpassungsfähigkeit beschreibt er selbst als Erfolgsrezept: Trends erkennen, Schwerpunkte verschieben und gleichzeitig die eigene Stärke im Handwerk bewahren.

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