- Kategorie: Wettbewerb
- Aufrufe: 242
Schmuckstücke zum Gedenken an NS-Opfer
Das Goldschmiedehandwerk hat in Hanau eine lange Tradition – bereits 1610 gab es eine Zunft der Gold- und Silberschmiede. Seit 2004 ernennt die Stadt Hanau alle zwei Jahre einen Stadtgoldschmied oder eine Stadtgoldschmiedin.
Die Gesellschaft für Goldschmiedekunst organisiert und betreut den/die Ausgezeichnete/n, die Staatliche Zeichenakademie stellt den Arbeitsplatz zur Verfügung, dort werden auch Workshops für Schüler abgehalten. Das Deutsche Goldschmiedehaus ermöglicht die Präsentation der Arbeiten in Form einer exklusiven Ausstellung. Die Stadt Hanau stellt finanzielle Mittel in Höhe von 15.000 € zur Verfügung.
Die aktuelle Hanauer Stadtgoldschmiedin, Vivi Touloumidi, hat eine neue Schmuckkollektion vorgestellt, die sich auf eindringliche Weise mit der Geschichte der Verfolgung und Ermordung von Menschen in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern auseinandersetzt. Die Kollektion mit dem Titel "Pharmakos und das Schwarze Dreieck" thematisiert auf sensible und tiefgründige Weise das Leid und die Stigmatisierung von Häftlingen.
Im Zentrum der Kollektion stehen zwei kraftvolle Symbole:
- Pharmakos: Dieser Begriff aus dem Altgriechischen bezeichnete ursprünglich einen Sündenbock oder eine Person, die stellvertretend für die Gemeinschaft litt oder geopfert wurde. Touloumidi greift diese Idee auf, um die Unschuld der Opfer und die willkürliche Natur ihrer Verfolgung zu verdeutlichen. Die Schmuckstücke, die diesen Titel tragen, könnten beispielsweise Formen aufweisen, die Verletzlichkeit und Ausgrenzung symbolisieren.
- Schwarzes Dreieck: Dieses Symbol diente in den Konzentrationslagern zur Kennzeichnung von sogenannten "Asozialen", darunter Frauen, die nicht den nationalsozialistischen Normen entsprachen, sowie Menschen mit Behinderungen und andere marginalisierte Gruppen. Touloumidi verleiht diesem Zeichen der Demütigung und Entrechtung eine neue Bedeutung, indem sie es in ihre Schmuckstücke integriert und so die Erinnerung an diese oft vergessenen Opfer wachhält.
Die Schmuckstücke der Kollektion sind aus verschiedenen Materialien gefertigt und zeichnen sich durch ihre klare Formensprache und ihre symbolische Tiefe aus. Vivi Touloumidi legt Wert darauf, dass die Stücke nicht nur ästhetisch ansprechend sind, sondern auch zur Reflexion anregen und einen Beitrag zur Erinnerungskultur leisten.
"Als Künstlerin sehe ich es als meine Verantwortung, mich mit den dunklen Kapiteln der Geschichte auseinanderzusetzen", erklärt Vivi Touloumidi. "Die Symbole des Pharmakos und des Schwarzen Dreiecks sind erschütternde Zeugnisse menschlicher Grausamkeit. Indem ich sie in meine Arbeit integriere, möchte ich den Opfern eine Stimme geben und dazu beitragen, dass ihr Leid nicht in Vergessenheit gerät."
Die Kollektion "Pharmakos und das Schwarze Dreieck" wird in Kürze im Deutschen Goldschmiedehaus in Hanau sowie in ausgewählten Galerien präsentiert.
Über Vivi Touloumidi:
Vivi Touloumidi(47) geboren in Thessaloniki ist eine international anerkannte Schmuckkünstlerin, die in Antwerpen lebt und arbeitet. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch ihre konzeptionelle Stärke und ihre Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen aus. Im Mai 2025 wurde sie zur Hanauer Stadtgoldschmiedin ernannt und setzt damit die lange Tradition des Goldschmiedehandwerks in Hanau fort.

