EU verzichtet auf Diamantenzölle

Diamantbericht...Die Antwerpener Diamantenindustrie hat mit großer Erleichterung auf die Entscheidung der Europäischen Union reagiert, keine Einfuhrzölle auf geschliffene Diamanten aus den Vereinigten Staaten zu erheben. Das Antwerp World Diamond Centre (AWDC), die Dachorganisation der belgischen Diamantenunternehmen, begrüßte den Schritt des Europäischen Rates im Rahmen seiner Gegenmaßnahmen gegen US-Zölle von Präsident Trump ausdrücklich. Die Einführung solcher Zölle hätte die belgische Diamantenbranche schwer getroffen, während die beabsichtigte Wirkung auf die USA wohl kaum spürbar gewesen wäre.

„Die Entscheidung des Europäischen Rates, unseren Argumenten zu folgen und keine Zölle auf US-Diamanten zu verhängen, ist für uns ein enormer Erfolg und wir sind sehr dankbar“, erklärte Karen Rentmeesters, CEO des AWDC. Die Vereinigten Staaten sind mit einem jährlichen Handelsvolumen von geschliffenen Diamanten im Wert von 3,9 Milliarden US-Dollar, was etwa 16 Prozent des gesamten belgischen Diamantenhandels ausmacht, ein essenzieller Handelspartner. Rentmeesters verdeutlichte die branchenspezifische Problematik: „In unserem Geschäft ist es gang und gäbe, dass Diamanten mehrmals zwischen Belgien und den USA hin- und hergeschickt werden, beispielsweise zur Zertifizierung in renommierten dort ansässigen Laboren. Ohne diese umsichtige Entscheidung wären dieselben Steine gleich zweimal mit Zöllen belastet worden – einmal bei der Einfuhr in die USA und ein weiteres Mal bei der Rückkehr nach Europa.“

Das AWDC hatte zudem die Sinnhaftigkeit solcher Gegenzölle als Druckmittel gegenüber den USA stark bezweifelt. „Die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen auf die USA wären minimal gewesen, während unsere Industrie hierzulande einen erheblichen Schaden davongetragen hätte“, so Rentmeesters. Da Einfuhrzölle auf der Herkunft eines Produkts basieren und geschliffene Diamanten selten in den USA ihren finalen Schliff erhalten, hätte ein EU-Zoll nur einen Bruchteil des tatsächlichen Handelsvolumens betroffen. Gleichzeitig wären aber aufwendige Kontrollen aller Diamantenlieferungen notwendig geworden, um eine Bearbeitung in den USA auszuschließen – ein bürokratischer Alptraum und eine massive Zeitverzögerung für eine Branche, die auf schnelle und reibungslose Abläufe angewiesen ist.

Rentmeesters äußerte abschließend die Hoffnung auf eine baldige diplomatische Lösung des eskalierenden Handelskonflikts. „Diese Entscheidung unterstreicht die Anerkennung und aktive Unterstützung der flämischen und belgischen Regierung sowie der EU für die strategische Bedeutung des belgischen Diamantensektors und das Prinzip des freien Diamantenhandels. Wir begrüßen diese durchdachte und ausgewogene europäische Handelspolitik ausdrücklich und plädieren für deren Fortsetzung.“

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