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Herbert Kistler/CH-8620 Wetzikon

Innerhalb eines Jahre wurde Herbert Kistler in seiner Wetziker Goldschmiede zweimal mit einer Waffe bedroht und ausgeraubt. Nun überlegt er sich, sein Geschäft aufzugeben. Verprügelt, gefesselt, ausgeraubt: Ein Szenario, das man aus Filmen kennt, hat sich am 22.10.2010 am helllichten Tag im Zentrum Oberwetzikon in der Goldschmiede Herbert Kistler/CH-8620 Wetzikon zugetragen. Zwei Räuber, die sich als Kunden ausgaben, schlugen ihn nieder und raubten sein Geschäft aus (wir berichteten). Dabei kamen nicht nur Wertgegenstände abhanden, sondern auch das Sicherheitsgefühl des Betroffenen, der bereits vor einem Jahr überfallen wurde. «Wenn man zweimal ausgeraubt und mit einer Waffe bedroht wurde, dann zerbricht das Sicherheitsgefühl unweigerlich», sagt Herbert Kistler. Jeder unbekannte Kunde, der vor der Tür stehe, sei für ihn nun ein potenzieller Räuber. Dabei hat Kistler jede mögliche Sicherheitsvorkehrung getroffen. Wer ins Geschäft will, muss klingeln. Und dank Videokameras kommt niemand unerkannt hinein. Er öffnete die Tür auch beim Überfall. Zunächst klingelte der eine Täter, der unverdächtig ausgesehen habe und daher ohne zu zögern hereingelassen wurde. Er sprach in gebrochenem Englisch mit dem Goldschmied. «Ich verstand praktisch nichts», erinnert sich Kistler. Dann stand plötzlich ein zweiter Mann mit grossem Rucksack vor der Tür. Kistler schöpfte Verdacht und winkte ab, liess den zweiten nicht hinein. Kurzerhand zückte der Mann am Thekentisch seine Pistole, sprang um die Theke und schlug Kistler zu Boden, bevor er seinen Kumpanen hineinliess. Dann wurde Kistler gefesselt und dessen Mitarbeiterin genötigt, den Tresor zu öffnen, um sie danach auch zu fesseln. Ein stiller Alarm war zwar längst rausgegangen. «Es dauerte aber extrem lange, bis die Polizei auftauchte», sagt Kistler. «Die Täter waren längst über alle Berge.» Er rief nach dem Überfall auch auf die Nummer 117 an, hing zunächst mehrere Minuten in der Warteschlaufe. Als jemand den Anruf entgegennahm, hiess es: «Moment, ich verbinde Sie.» Kistler kommentiert: «Die Polizei ist daran unschuldig, sie hat ihren Möglichkeiten entsprechend gearbeitet. Das ist ein politisches Problem. Und die Politik hat versagt. Die Leute können sich in unserem Land nicht sicher fühlen.» Er kenne viele Leute, die ihren Schmuck aus Angst nicht mehr tragen würden, ihn nicht mal mehr zuhause aufbewahren. «Oder sie haben ihn bei einem Einbruch bereits verloren.» Für ihn ist der emotionale Schaden der schlimmste, auch wenn er die gesamte Eheringkollektion verloren hat, die er nun wie schon letztes Jahr - sofern er überhaupt weitermacht - in monatelanger Arbeit rekonstruieren muss. «Und mein eigenes zerstörtes Sicherheitsgefühl ist nur ein Teil des Problems», erklärt er. «Meine Frau sitzt zuhause und bangt jeden Tag um ihren Mann.» Seine Gattin Bianca Kistler bestätigt das. «Ich habe Angst um meinen Mann. Beim ersten Überfall kam er körperlich unversehrt nach Hause. Beim zweiten wurde er zusammengeschlagen. Was, wenn es einen dritten Überfall gibt? Wird er dann überhaupt noch nach Hause kommen?» Für Kistler wird diese Angst vermutlich Konsequenzen haben. «Ich kann nicht verantworten, dass meine Familie zuhause Angstzustände hat, während ich hier arbeite. Vermutlich werde ich nicht so weitermachen.» Er zieht verschiedene Möglichkeiten in Betracht: Einen Umzug, eine komplette Schliessung oder nur noch Arbeiten auf Anfrage entgegenzunehmen. «Die Kunden würden das vermutlich nicht verstehen», meint er. Vorerst könne er nun keine Aufträge mehr entgegenehmen. «Ich muss die Kollektion wiederherstellen. Das Geschäft wird bis auf Weiteres geschlossen bleiben.» Der Wert des Schmuckes wird ihm voraussichtlich von der Versicherung zurückerstattet, dazu ist ein Betrag für die Umsatzeinbusse zu erwarten. Vom letzten Überfall weiss er allerdings, dass er mit dem Fund von Schmuckstücken aus seiner Kollektion nicht rechnen kann. «Die werden vermutlich irgendwo im ehemaligen Ostblock ganz weiterverkauft. Geschmolzen hätte das Material praktisch keinen Wert mehr. Das sind nur ein paar hundert Gramm Gold.» Kistler vermutet, dass die Täter vom Freitag zur selben Gruppe gehörten, wie schon jene vor einem Jahr. Der Goldschmied meint: «Diese Typen wussten vermutlich, dass ihre Vorgänger vor einem Jahr leichtes Spiel hatten und versuchten deshalb erneut bei mir ihr Glück.» Dieses Mal besteht allerdings eine gewisse Möglichkeit, dass die Täter aufgespürt werden. Dank der Videokameras existieren klare Bilder mit Ganzkörperaufnahmen der beiden Täter.

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