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Galeria ruft nach Staatshilfe
Ein ganz neues Kaufhaus in Berlin-Tegel hat Galeria eröffnet. Normalerweise feiert der letzte deutsche Warenhauskonzern so etwas groß. Das hat er zumindest in diesem Jahr immer gemacht, etwa in Euskirchen, wo die Filiale nach der Flut des Vorjahres saniert wurde oder in Koblenz und Fulda, wo umgebaut und saniert wurde. Die Eröffnung in Berlin jedoch, bei der es, um Kunden anzulocken, zur Eröffnung 20 Prozent Rabatt gab, ging vergleichsweise geräuschlos vonstatten. Das dürfte daran liegen, dass der Warenhauskonzern schon wieder in ernsthaften Schwierigkeiten steckt. Das Unternehmen hat nach Informationen aus Regierungskreisen abermals einen Antrag auf Staatshilfe gestellt. Dies wäre der dritte. Aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) hatte das Unternehmen 2021 zunächst 460 Millionen Euro und dann rund ein Jahr später noch einmal 220 Millionen bekommen. Um wie viel Geld es jetzt geht, ist noch nicht bekannt. Das Unternehmen äußerte sich auf Anfrage nicht zu dem Vorgang. Galeria setzt auf den Umbau einzelner Filialen, um wieder attraktiv zu werden. Für die Stärkung des Onlinehandels wollte Galeria zuletzt 30 Millionen Euro in den Aufbau eines Logistikzentrums stecken. Seinen Onlineumsatz will der Warenhauskonzern bis 2025 nämlich auf mindestens eine halbe Milliarde Euro steigern. Dies wäre eine Vervierfachung des Geschäftsvolumens. Noch liegt der Anteil am Gesamtumsatz aber im niedrigen zweistelligen Bereich. Das Ursprungsziel war, nach Erhalt der beiden Kredite, im kommenden Jahr einen operativen Gewinn und im Jahr 2024 auch einen Jahresüberschuss erzielen zu können. Das alles erscheint nun trotz Neueröffnungen und Umbauten in diesem Jahr schon wieder Makulatur zu sein, hat das Unternehmen doch auch den Sanierungstarifvertrag mit der Gewerkschaft Verdi gekündigt, in dem Lohnerhöhungen vereinbart worden waren. Das geht laut Vertragsschrift nur in einer wirtschaftlichen Notlage. Die Bundestarifkommission von Verdi will das prüfen, es dürfte wieder harte Verhandlungen geben. Nicht nur von Gewerkschaftsseite ist die Forderung zu hören, dass der Gesellschafter Signa einspringen sollte, also die Immobiliengesellschaft des österreichischen Unternehmers René Benko. Schließlich hat die Immobiliensparte von Signa im vergangenen Jahr einen Gewinn in Milliardenhöhe erzielt. Nach früheren Angaben des Galeria Chefs Müllenbach hat Signa seit März 2020 indes etwa die Summe aufgewendet, die der WSF dem Warenhauskonzern auch zur Verfügung gestellt hat.
