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Glanz und Gloria in Nürnberg?

Wenn ein Schwergewicht wie Wempe seine Verkaufsfläche auf rund 1.000 Quadratmeter vervierfacht und ein vierstöckiges Luxus-Flagship bezieht, setzt das zwar ein unübersehbares Zeichen für den Standort. Für die etablierten, oft seit Generationen inhabergeführten Nürnberger Juweliere mischt sich in den Respekt vor diesem Millionen-Investment jedoch eine gehörige Portion Skepsis. Der Umzug aus der Königstraße an den Ludwigsplatz verändert nicht nur die Laufwege der City, sondern verschärft vor allem den Verdrängungswettbewerb im Luxussegment.

Mit gläserner Transparenz, hauseigener Bar, exklusiver Diamond Lounge und multimedialer Fassade inszeniert das Hamburger Familienunternehmen den Uhren- und Schmuckkauf als gigantisches Event. Genau diese Dimension stößt in der lokalen Szene auf Kritik: Gegen eine derartige Finanzkraft und die schiere Größe lässt sich mit traditionellem Handwerk kaum noch anbauen. In Branchenkreisen wird befürchtet, dass der Druck auf begehrte Konzessionen internationaler Top-Marken weiter steigt. Wer als kleinerer Händler nicht das Budget oder die Fläche für vorgegebene Markenwelten mitbringt, droht von den Luxuskonzernen vollends übergangen zu werden.

Zudem wirft der pompöse Auftritt die Frage nach der Zukunft der Nürnberger Handelsvielfalt auf. Wenn Großfilialisten die besten Lagen dominieren und das Einkaufserlebnis schier erschlagen, droht die Innenstadt ein Stück ihrer individuellen Identität zu verlieren. Ob die kaufkräftige Kundschaft bei hochpreisigen Zeitmessern und Unikaten auf Dauer wirklich die großstädtische Inszenierung sucht oder nicht doch die diskrete, persönliche Vertrautheit der kleinen Meisterwerkstatt um die Ecke bevorzugt, wird sich zeigen. Der Kampf um die Franken mit dicker Geldbörse hat mit diesem Großprojekt jedenfalls eine neue, deutlich härtere Stufe erreicht.

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