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Preisdiktat
Diamantbericht...Die extrem hohen Edelmetallpreise sorgten auf der Inhorgenta für Diskussionsstoff bei den Preisverhandlungen zwischen Herstellern und Juwelieren. Denn sie blicken nach vier Messetagen mit gemischten Gefühlen in Richtung Schaufenster. Einerseits beeindruckt die Branche mit einer Innovationskraft. Andererseits steht der Elefant im Raum: der Goldpreis. Dass Hersteller die gestiegenen Rohstoffkosten weitergeben müssen, ist logisch. Doch ich beobachte mit Sorge, dass das Argument „teures Gold“ oft als Pauschal-Begründung für Preissprünge dient, die weit über den Materialwert hinausgehen. Die Juweliere sind es, die am Point of Sale erklären müssen, warum das Collier aus der neuen Kollektion plötzlich preislich in einer anderen Liga spielt. Hier hätten sie sich von einigen Ausstellern mehr Fingerspitzengefühl und kreativere Lösungen gewünscht – etwa durch intelligentere Legierungen oder modulares Design, statt nur das Preisschild zu korrigieren. Viele Fachhändler stellen sich angesichts der teils massiven Preiserhöhungen der Hersteller die Frage, ob die Rückbesinnung auf die eigene Werkstatt nicht nur ein romantisches Ideal, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit darstellt. Die Eigenanfertigung bietet den Vorteil, die Wertschöpfung im eigenen Haus zu behalten und die Preiskalkulation für den Endkunden transparenter und nachvollziehbarer zu gestalten. Wenn ein Juwelier Altgold direkt ankauft, einschmilzt und in neue Unikate verwandelt, entzieht er sich dem Preisdiktat der Industrie und schafft gleichzeitig ein Alleinstellungsmerkmal, das im harten Wettbewerb mit Online-Plattformen und Ketten unbezahlbar ist.
