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Schweizer Uhrenmarkt
Die Schweizer Uhrenindustrie ist längst keine homogene Branche mehr. Laut dem Experten Oliver Müller (LuxeConsult), der jährlich zusammen mit der Investmentbank Morgan Stanley den vielbeachteten Branchenreport veröffentlicht, findet eine massive Konzentration statt. Vier Marken – Rolex, Cartier, Patek Philippe und Omega – kontrollieren mittlerweile 55 Prozent des gesamten Marktes. Besonders deutlich wird die Dominanz bei Rolex. Die Marke nähert sich einem Marktanteil von einem Drittel der gesamten Schweizer Industrie an. Laut Müller agiert Rolex in einer „eigenen Galaxie“. Die Strategie sei so simpel wie effektiv: Um die Begehrlichkeit hochzuhalten, wurde die Produktion bereits zum zweiten Mal gedrosselt. Das Umsatzplus der Marke resultiere primär aus Preiserhöhungen und einem Fokus auf Edelmetall-Modelle, nicht aus höheren Stückzahlen.
Ein alarmierender Trend ist die extreme Verschiebung hin zum Ultra-Luxus, die sogenannte Premiumisierung. Ein Blick auf die nackten Zahlen verdeutlicht das Missverhältnis: Uhren mit einem Preis von über 50.000 Franken machten im vergangenen Jahr 37 Prozent des gesamten Exportwerts aus, während sie lediglich 1,4 Prozent des Volumens repräsentierten. Müller warnt davor, dass die Uhrenindustrie zu einer reinen Luxusindustrie mutiert. Damit drohe der Verlust des „industriellen Sockels“. Ein Wirtschaftszweig, der keine nennenswerten Mengen mehr produziere, verliere langfristig seine technologische Basis, was das Überleben der gesamten Zulieferkette gefährden könnte.
Der Report deckt zudem eine tiefe Kluft zwischen den Akteuren auf. Während unabhängige Marken wie Audemars Piguet oder Richard Mille ihren Marktanteil seit 2017 von 37 auf 49 Prozent steigern konnten, geraten etablierte Konzerne unter Druck. Besonders hart trifft die Kritik die Swatch Group. Müller spricht von einem „absteigenden Ast“. Das einstige Aushängeschild der Gruppe, Omega, ist im Umsatzranking vom dritten auf den fünften Rang abgerutscht – ein herber Schlag für den Konzern, da Omega schätzungsweise 70 Prozent des gesamten Gruppengewinns erwirtschaftet.
Trotz eines scheinbar stabilen Jahres 2025 mit einem leichten Minus von 1,7 Prozent bei den Exporten, trügt der Schein der Gesamtzahlen. Hinter dem Durchschnitt verbergen sich viele Verlierer: Unter den Top-50-Marken verzeichneten 29 einen Umsatzrückgang, 14 davon sogar im zweistelligen Prozentbereich. Für das laufende Jahr 2026 prognostiziert Müller keine Besserung. Es sei damit zu rechnen, dass einige bekannte Namen im nächsten Jahr aus der Liste der 50 erfolgreichsten Marken verschwinden werden.
