Cartier Chef verärgert Schweizer

In der Schweiz laufen die Impfungen gegen Covid-19 nur schleppend an. Umso größer ist daher die Empörung darüber, dass es für einen einzelnen Bürger eine Sonderbehandlung gegeben hat. Der südafrikanische Milliardär Johann Rupert(70) hat sich außer der Reihe vorzeitig im Kanton Thurgau impfen lassen. Der Unternehmer ist Großaktionär und Verwaltungsratspräsident des Genfer Luxusgüterkonzerns Richemont, zu dem Marken wie Cartier, Montblanc, Piaget, Dunhill und Jaeger-LeCoultre gehören. Zudem ist Rupert indirekt maßgeblich an der Schweizer Privatklinikgruppe Hirslanden beteiligt, die mit ihren 17 Krankenhäusern einen Jahresumsatz von 1,8 Milliarden Schweizer Franken erzielt. Genau diese Verbindung hat der zweitreichste Südafrikaner, dessen Vermögen das Forbes-Magazin auf 5,2 Milliarden Dollar veranschlagt, nun genutzt, um schnell an das begehrte Vakzin zu kommen. Hirslanden führt im Auftrag der kantonalen Regierung im Thurgau die Impfkampagne durch. Das Impfzentrum in Frauenfeld hat Mitte Januar den Betrieb aufgenommen. Noch vor dem offiziellen Start bekam Rupert, der seinen Wohnsitz im Kanton Genf und nicht im Thurgau hat, die Dosis verabreicht.
Nach Angaben der Hirslanden-Gruppe habe Rupert Anrecht auf eine prioritäre Impfung gehabt, weil er an chronischen Vorerkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes sowie einer Erkrankung der Herzkranzgefäße leide. Rupert musste sich allerdings nicht in die normale Anmeldeschleife begeben, sondern erhielt eine der wenigen Dosen, die dem beauftragten Impfzentrum für Test- und Übungszwecke vorab zur Verfügung gestellt wurden.
Diese unterlagen keinen behördlichen Zuteilungsauflagen, wobei der Thurgauer Gesundheitsdirektor Urs Martin nach eigenem Bekunden davon ausgegangen war, dass man die Test-Dosen den Pflegekräften verabreichen würde. „Wenn jemand Geld hat, bekommt er alles“, kritisierte die Thurgauer Kantonsrätin Nina Schläfli. Die Sonderbehandlung sei ein Affront für alle Thurgauer, die seit Wochen auf einen Impftermin warteten.

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