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Nach 95 Jahren ein Neuanfang

das er in dritter Generation führt. „In fünf Jahren, wenn ich in den Ruhestand gehe, wäre es so weit gewesen“, sagt der Uhrmachermeister. Doch daraus wird jetzt leider nichts mehr. Nicht, weil es ihm an Kundschaft fehlen würde oder die Miete zu teuer geworden sei. Vielmehr wurden ihm die rund 50 Quadratmeter großen Räume vonseiten des Eigentümers, der das Haus vor zwei Jahren erworben habe, kurz vor Weihnachten gekündigt. Mit einer Frist von sechs Monaten zum 30. Juni dieses Jahres.
„Da es sich um gewerblich genutzte Räume handelt, gab es auch keine Angaben von Gründen“, bedauert er. Er habe versucht, beim Eigentümer einen möglichen Grund zu erfahren, habe jedoch leider keine Antwort bekommen. „Im ersten Augenblick war das Kündigungsschreiben ein großer Schock für mich“, sagt Walther. Mittlerweile betrachte er aber die Situation als Möglichkeit, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Gerade auch mit Blick auf seine Arbeit als Uhrmachermeister habe er eine Lösung gefunden, mit der er gut leben könne.
Klaus Walther wohnt mit seiner Lebensgefährtin Susanne Bräuer 65 Kilometer von Frankfurt in Klingenberg am Main und fährt die Strecke seit Jahren täglich außer sonntags hin und zurück. Dreimal wöchentlich hat er den Laden geöffnet, an den anderen drei Werktagen repariert er Uhren in seiner Werkstatt. Die grenzt an den Verkaufsraum. Und er macht auch schon einmal Hausbesuche, etwa, wenn es um größere Wand- oder Standuhren geht, die nicht so einfach transportiert werden können. „In der Regel haben wir an den geöffneten Tagen durchschnittlich 50 bis 60 Kunden“, sagt Walther. Um sich auf die Reparaturen zu konzentrieren, müsse er die anderen Tage schließen. „Es gibt immer viel zu tun.“
Gerade jetzt, wo die Schließung schon bald bevorstünde, möchte er alle Aufträge so gut wie möglich abarbeiten. Bis zum 30. Mai habe das Geschäft noch geöffnet. „Die restlichen vier Wochen benötige ich, um den Laden und die Werkstatt auszuräumen“, fügt er hinzu.
Viele seiner Kunden halten ihm seit Jahren die Treue und sind traurig, dass der Laden schließt. Heutzutage gebe es auch immer weniger Uhrmachermeister in der Stadt, die noch selbst reparierten, sagt Walther. „Ich habe nicht weit von dort, wo wir wohnen, eine Werkstatt angemietet, in der ich künftig arbeiten werde“, erzählt Walther. Und er habe mit Oliver Adam von „Watch me“ in der Brückenstraße 37 und mit der Goldschmiedin Helga Günther von „Unikat Conceptstore“ in der Oppenheimer Landstraße 42 zwei Geschäftsinhaber in Sachsenhausen gefunden, die sich bereiterklärt hätten, Reparaturaufträge anzunehmen. „Ich möchte nach Schließung des Geschäfts künftig einmal wöchentlich nach Frankfurt fahren und die zu reparierenden Uhren dort abholen“, erklärt Walther.
Klaus Walther hatte den Laden am 1. Januar 1998 von seinem Vater Helmut übernommen. Dessen Vater Max Walther hatte seinen Uhrmachermeisterbetrieb am 1. April 1931 in Räumen an der Darmstädter Landstraße eröffnet. Am 1. Januar 1961 folgte der Umzug in die Textorstraße 22, wo er zusammen mit seinem Sohn Helmut Walther tätig war. Der übernahm das Geschäft Anfang der 1980er Jahre.

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