- Kategorie: Aufgegeben
- Aufrufe: 184
Ende einer Ära
Diamantbericht...Die Goldschmiede Stampfer/59457 Werl schließt ihre Türen. Nach über 200 Jahren Familienbetrieb wird der Schlüssel am 5. April endgültig umgedreht. Kein leichter Schritt für die Chefin.
Dass es die „goldrichtige“ Entscheidung war, das hofft Heike Stampfer, Goldschmiede Stampfer/59457 Werl. Auch wenn es sich in diesen Tagen eher schwer wie Blei anfühlt, was sie ihr bevorsteht: nicht weniger als das Ende einer Familientradition, die Werl geprägt hat. Nach dem langen Ausverkauf steht nun das endgültige Datum fest: Am Samstag, 5. April, wird die Goldschmiede-Meisterin um 14 Uhr nach dem letzten Verkaufstag endgültig den Schlüssel des Geschäfts in der Marktstraße umdrehen. „Noch mag ich gar nicht daran denken“, sagt sie. Aber der Entschluss zum Schlussstrich steht.
Zumindest ein Stückchen des beruflichen Wirkens bleibt ihr danach noch: In der angrenzenden Werkstatt werden alle offenen Aufträge abgearbeitet, bis zum letzten Stück; dazu wird es individuelle Termine mit den Kunden geben. Zwar nahm Heike Stampfer schon seit Weihnachten keine Aufträge mehr an. Aber es gehört zum Geschäft, alle Restarbeiten sorgsam zu erledigen. „Und da wartet noch einiges an Arbeit.“ Etwas weiter wird sie also noch werkeln in der Werkstatt, es gibt kein plötzlich-schmuckloses Ende. Aber das Einzelhandelsgeschäft vorn ist ab dem 5. April endgültig geschlossen.
Seit 1807 lag die Gold-Bearbeitung in Familienhand. Im Oktober hatte die Werlerin aber mit dem Start des Ausverkaufs das lange Ende des Traditions-Familienunternehmens eingeläutet – aus persönlichen Gründen und nach langem Ringen. Ein Nachfolger war nicht zu finden. Die Inhaberin in sechster Generation hatte die Geschicke der Goldschmiede 1988 nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters Manfred von jetzt auf gleich in die Hand genommen.
1807 hatte Caspar Anton Stampfer den Grundstein für den Goldschmiede-Betrieb gelegt, war zunächst im Sauerland, später in Werl. Das Kürzel „C.A.“ im Firmennamen erinnert bis heute an der Gründer. 1900 wurde die Immobilie an der Marktstraße fertiggestellt, seither zweimal umgebaut, zuletzt 1993 – das Jahr, in dem Heike Stampfer ihre Meisterprüfung ablegte. Was mit den Geschäftsräumen passiert, ist noch unklar.

