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Goldschmiede kämpfen

Diamantbericht...Der Goldpreis hat sich verdoppelt. Für Goldschmiede bedeutet das enormen Aufwand. Anleger und Banken profitieren hingegen vom Rekordniveau.

Die gestiegenen Goldpreise sind großer Bestandteil der öffentlichen Aufmerksamkeit. Verständlich: Schließlich hat sich der Goldpreis in den letzten zwei Jahren verdoppelt. Dass das so gerade passiert, ist sehr ungewöhnlich, findet Christian Rauch, Geschäftsführer des Frankfurter Unternehmens und Edelmetallhändlers Degussa. Der Goldpreis ist über die Jahrtausende immer wertstabil geblieben; der aktuelle Anstieg des Preises gehört zu den größten seit Jahrzehnten. Das bringt Vorteile für die einen, etwa die Anleger, die Banken und die Goldminenbetreiber, mit sich. Andere, wie etwa die Goldschmiedebetriebe, scheinen nun vor eher unsicheren und anstrengenden Zeiten zu stehen.

Gold ist in mehrfacher Hinsicht ein besonderes Edelmetall. Es zeichnet sich etwa durch eine hohe Materialbeständigkeit aus, wodurch es vielfältig einsetzbar ist. Sei es als Teil der Elektronik in Handys, als Zahnkrone in der Medizin oder in der Luft- und Raumfahrt. Darüber hinaus wurde Gold für circa 2500 Jahre als Zahlungsmittel genutzt. Die ältesten Goldmünzen der Welt sind die Kreseiden des Krösus von circa 550 v. Chr. Bekannte Goldmünzen über die Jahrtausende sind der Solidus aus der römischen Spätantike, der Dukat im Mittelalter und der sogenannte Pistolenfuß der Neuzeit. Dabei handelten die breiten Bevölkerungsschichten fast nie mit Goldmünzen; in Kontakt mit ihnen kamen eher Kaufleute oder Staatspersonal. Auch der emotionale Wert und der psychologische Eindruck von Gold sind sehr hoch. Das zeigen schon goldene Grabbeigaben aus der Nekropole von Varna, die circa auf das 5. Jahrtausend v. Chr. datiert sind.

Über die Jahrhunderte hat sich Gold so immer stärker als sicherer Hafen unter den möglichen Wertanlagen etabliert. Die großen Vorteile: Gold hat kein Gegenparteirisiko. Sprich: Gold ist immer etwas wert; anders als beispielsweise bei Aktien, die etwa wertlos werden, sollte es die Firma nicht mehr geben. Darüber hinaus ist Gold sehr mobil. Durch die hohe Dichte lässt sich viel Wert auf wenig Platz lagern. Auch die Nachfrage ist ein wichtiger Faktor in der Entwicklung der Goldpreise. Denn: Gold ist eine begrenzte Ressource auf der Welt. Das bisherige Goldvorkommen der Welt wurde 2023 auf circa 208.874 Tonnen geschätzt. Das ergäbe einen Würfel mit einer Kantenlänge von etwa 22 Metern – oder ein siebenstöckiges Gebäude. Unterirdisch werden noch etwa 55.000 bis 64.000 Tonnen Gold vermutet, die sich wirtschaftlich rentabel abbauen lassen. Angebot und Nachfrage beeinflussen die Preise daher stark.

Aufgrund der medialen Aufmerksamkeit interessieren sich besonders viele Menschen für Gold als Anlage. Für die Degussa ergaben sich unter anderem dadurch neue Kundenkreise. „Vor allem jüngere Menschen im Alter zwischen 25 und 30 Jahren begeistern und interessieren sich für Gold“, sagt Rauch. Von den drei Anlageformen, physisches Gold in Form von Barren oder Münzen, ETFs oder Schmuck, sind vor allem die ersten zwei besonders gefragt. Auch der Verkauf von Altgold hat stark zugenommen. Die Degussa verzeichnet hier Rekorde. Die Anleger profitieren daher aus Sicht von Rauch besonders stark. Auch den Banken, die ihre Währungsreserven diversifizieren, und Goldminen, die leichter profitabel bleiben können, kommen die Goldpreise zu gute. Für die Goldschmiede und Juweliere bedeuten die gestiegenen Goldpreise hingegen eine Menge Arbeit, weil die Preise kontinuierlich angepasst werden müssen.

Auch auf die Planung und das Design der Kollektionen wirkt sich der Goldpreis aus: „Wir planen in der Regel mit einem halben Jahr Vorlauf. Nach diesem Zeitraum sind aber die Voraussetzungen ganz andere als angenommen“, sagt Marc-Jens Biegel, Inhaber der gleichnamigen Frankfurter Goldschmiede. Zwar ließe sich mit gutem Handwerk der Materialbedarf und somit der Preis des Schmuckes senken. Dennoch wird es schwieriger, sich preislich im Vorstellungsbereich der Kunden zu bewegen. „Viele unserer Kunden sind ganz überrascht, wenn wir ihnen erzählen, dass Gold aktuell mehr kostet als Platin. Das Preisverhältnis zwischen beiden Edelmetallen ist inzwischen ganz anders, als es viele annehmen“, so Biegel. Die Verkaufszahlen seien jedoch nicht zurückgegangen, da die Kunden weiterhin Wert auf das handwerkliche Finish legten.

Gleichzeitig ist das Interesse am Verkauf von Altgold gestiegen. Viele Kunden lassen sich aus dem Material neue Schmuckstücke machen. Wie sich die Goldpreise zukünftig entwickeln, bleibt abzuwarten. Prognosen gehen sowohl von Rückgängen als auch einer Stabilisierung der Preise aus.

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