- Kategorie: Robert Brachfeld
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Beruhigungsmittel
Diamantbericht...Es reicht Rolex nicht mehr, den Neuuhrenmarkt mit künstlicher Verknappung und strengen Konzessionsregeln zu dominieren. Mit dem massiven Ausbau des „Certified Pre-Owned“ (CPO) Programms und der Übernahme von Bucherer greifen die Genfer nun nach der letzten Bastion der Freiheit im Uhrensektor: dem Handel mit gebrauchten Zeitmessern. Was vordergründig als „Qualitätssicherung“ verkauft wird, ist bei Licht betrachtet ein strategischer Feldzug gegen den unabhängigen Fachhandel. Über Jahrzehnte war das Geschäft mit Vintage-Modellen und getragenen Uhren das Lebenselixier für kleinere, inhabergeführte Juweliere. Damit ist nun Schluss. Rolex zwingt den Handel in ein Korsett. Wer am CPO-Programm teilnehmen will, muss horrende Gebühren für die Zertifizierung in Genf abdrücken Das Ergebnis? Die Ankaufspreise für Kunden sinken, während die Verkaufspreise durch die „Zertifizierungssteuer“ in absurde Höhen schießen. Der Fachhändler verkommt vom eigenständigen Kaufmann zum bloßen Logistik-Agenten einer Weltmarke. Wenn Rolex den Zweitmarkt monopolisiert, verschwindet der Wettbewerb. Der Kunde zahlt am Ende drauf – nicht für mehr Uhrmacherkunst, sondern für das Privileg, eine gebrauchte Uhr in einer offiziellen Tüte tragen zu dürfen. Rolex ist dabei, die Seele des Fachhandels zu opfern, um die totale Kontrolle über jeden ein- zelnen Ticker zu erlangen, der jemals ihre Werkshallen verlassen hat. Ein goldener Käfig, für den am Ende alle bezahlen: die Händler mit ihrer Existenz und die Sammler mit ihrem Geld. Wer bereit ist, tausende Euro Aufpreis für ein Plastikkärtchen und ein grünes Siegel zu zahlen, kauft keine Uhr, er kauft Beruhigungsmittel. Was meinen Sie dazu?

