Briefe des Herausgebers

Überteuert

Hat Sie die Nachricht über die schlechten Umsätze der Juwelierkette Tiffany überrascht? Mich nicht. Diese versucht man jetzt zu erklären und es fehlt nicht an Begründungen und Ausreden. So wurde sogar der neue Präsident als schuldiger ausgemacht. Angeblich kamen viele Kunden nicht in den Flagshipstore von Tiffany in Manhattan, weil sie die hohen Sicherheitsmaßnahmen und Absperrungen in der Nachbarschaft rund um den Trump-Tower abgeschreckt haben. Aber Tiffany besteht doch nicht nur aus einem Laden. Alleine in Deutschland gibt es 6 Filialen. Und wer war schuld dass es in anderen Läden auch nicht so gut lief?

Sonntagsarbeit

Es ist viel los in den kleineren und größeren Städten, wenn an einem Sonntag für ein paar Stunden die Läden öffnen. Oft sogar sehr viel mehr als an Werktagen. Und zwar vor allem dann, wenn sich die örtlichen Händler Besonderes einfallen lassen. Die Kunden mögen es offenbar, in Ruhe mit der Familie oder mit Freunden bummeln zu gehen. Würde es sich für die Händler nicht lohnen, ließen sie an den ohnehin nur wenigen freigegebenen Sonntagen im Jahr die Türen verschlossen.

Wahre Werte

Der Vorwurf hatte es in sich: Die Kaufhauskette Karstadt vertreibt Plagiate einer Kollektion von Wellendorff/Pforzheim! In der Tat sehen die Ringe und Ohrringe der Karstadt-Lieferantin Horst Kleckow GmbH/Pforzheim jenen der Luxusmanufaktur erstaunlich ähnlich. Jedenfalls auf den ersten Blick und für Laien womöglich auch noch auf einen zweiten. Laut Wellendorff haben Hersteller sowie Händler der Plagiate einem Vergleich zugestimmt und jeweils eine Unterlassungserklärung abgegeben. Der Verkauf wurde gestoppt und die Prospekte mit den Angeboten müssen vernichtet werden. Damit wahr bleibt, was wahr ist. Immerhin ist das Brillant-W als Logo auf den Schmuckstücken eingearbeitet und steht für „Wahre Werte“, das Motto der Firma Wellendorf und den Namen der Kollektion. Da kann man schließlich kein Plagiat dulden.

Emotionales Investment

Folgt man der Theorie, soll es an den Finanzmärkten dieser Welt eigentlich streng rationale Entscheidungen geben. Nun weiß jeder, der auch nur selten mit den Börsen zu tun hat, genau: Die Wahrheit sieht dann doch ein ganz klein wenig anders aus. Aktien beispielsweise werden nicht nur gekauft, weil sie gerade so günstig sind, sondern manchmal auch aus reinem Bauchgefühl heraus. Wenn es aber eine Anlageform gibt, bei der vor allem die Emotion im Vordergrund steht, dann sind das die Diamanten. Das Investment in Diamanten war schon immer eine Glaubensfrage.

Online & Offline

Für die meisten Verbraucher bleiben die klassischen Geschäfte zwar noch immer die wichtigste Anlaufstelle bei ihrem Einkauf. So ist es trotz wachsender Konkurrenz durch den Internet- und Versandhandel drei von vier Kunden auch in Zukunft wichtig, im Laden einkaufen zu können. Allerdings erwarten immer mehr Konsumenten neue Bestell- und Liefermöglichkeiten und eine stärkere Verknüpfung von stationärem Handel mit dem Online-Handel. Entsprechend ist der Fachhandel zum Handeln gezwungen.

Trump-Diamanten

Prognosen sind nicht einfach. Hillary Clinton werde wohl gewin­nen, hieß es vor der Wahl in Amerika. für den als unwahrschein­lich erachteten Fall eines Wahlsieges für Donald Trump wurde vorhergesagt, es wer­de Turbulenzen an den Börsen geben und der Goldpreis und Diamanten werden profitieren. Nun soll man den Tag nicht vor dem Abend loben. Kein Mensch weiß, was Trump am Ende als Präsident machen und wie viel Auf und Ab es an der Bör­se bis dahin geben wird.

Wollmilchsau

Die Deutschen lieben die Geldanlage in Immobilien. Bei­den Anlageklassen ist gemein, dass ihre Risiken unterschätzt und die Rendi­ten überschätzt werden. Entscheidend für die Wahrnehmung ist auch hier der gewählte Vergleich. Den offenen Immo­bilienfonds kommt entgegen, dass die meisten Anleger hierzulande sich an dem Zins auf dem Sparbuch oder Tagesgeldkonto orientieren.

Ist das Gift?

Das Gift, das die Europäische Zentralbank in die Welt gesetzt hat, verbreitet sich immer weiter. Die Nega­tivzinsen, die Geschäftsbanken auf Einlagen bei der EZB zahlen müssen, werden an immer mehr Bankkunden weitergereicht. Erst traf es Großanle­ger wie Fonds, doch längst bitten Com­merzbank, DZ Bank und Landesban­ken auch Industriekunden zur Kasse, wenn sie nicht bereit sind, ihr Geld län­gerfristig anzulegen. Nun dreht sich die Spirale noch eine Umdrehung: Mit der Helaba verlangt jetzt die erste Lan­desbank von ihren Eignern, den Spar­kassen, Verwahrgebühren für kurzfris­tige Geldanlagen.

Kreatives Fest

Das Weihnachtsgeschäft bleibt für die Schmuck- und Uhrenbranche der wichtigste Umsatztreiber. Insofern war die Studie der IHF aufschlussreich. Während sich im sonstigen Einzelhandel das Gutschein(un)wesen immer weiter ausbreitet, bleiben Schmuck- und Uhren davon weitgehend unberührt. Das hat seinen guten Grund: Juwelen sind wie hochwertige Uhren kein beliebiges Geschenk, sie sind das Besondere, mit dem der Geber dem Beschenkten seine Wertschätzung ausdrückt.

Kampfansage

Man kann es nicht anders sagen: Fossil hat die Maske fallen lassen. Konnte der Konzern zunächst mit dem Verbot von Onlineverkäufen auf der Amazon-Plattform durchaus noch auf einiges Verständnis bei den Kollegen und Kolleginnen rechnen, erscheint das gegenwärtige Verhalten gegenüber dem Einzelhandel geradezu als Kampfansage. Eine wirksame Einschränkung des Grauhandels und mehr Preisstabilität seien die Gründe für das Verbot gewesen, beteuert Fossil.

Wandel

Kollegen, die zu 99 Prozent selbst gefertigten Schmuck anbieten haben es leichter. Das sagten fast alle in der DB-Umfrage. Natürlich gibt es auch in diesem Segment sowohl Höhen, wie auch Tiefen. Aber mit der ausreichenden fachlichen Kompetenz, dem notwendigen Rückgrat funktioniere es jedoch auch ohne Label-Schmuck. Geschäfte, die sich allein auf Fremdmarken stützten, bekämen eher Schwierigkeiten mit der Konkurrenz durch das Internet.

Keine Angst!

Auch wenn neue Technologien zuerst bedrohlich wirken und das traditionelle Geschäft verändern können. Vor Solaruhren braucht kein Kollege Angst zu haben. Darin sind sich die Leser von DB so gut wie einig. Durch die recht langen Akkulaufzeiten ist die Solaruhr zwar zu einem praktischen Modeaccessoire für Wanderer, Biker und Freerider geworden und alle, die besonders viel Zeit outdoor verbringen, ansonsten scheint sich das Interesse jedoch in Grenzen zu halten.

Goldschmuck

Wer die Tage noch etwas Geld übrig hat, muss verzweifeln. Zinsen auf der Bank? Gibt es nicht. Zinsen auf Anleihen? Gibt es nicht. Aktien kau­fen? Bei all der Unsicherheit nach der Brexit-Abstimmung eine heikle Sache. Viele Kollegen greifen nun offenbar wie­der zu einem alten Mittel, um ihr Ver­mögen gegen Unwägbarkeiten abzusi­chern: das Gold. Dafür müssen sie nicht mehr selbst die Barren im Tresor horten.

Alrosa

Die Verunsicherung ist spürbar, nicht nur auf den Diamantenmärkten. Die Ungewissheit, wie es nach dem Brexit weitergeht und auf welche Folgen wir uns einstellen müssen, setzt weltweit die Preise für Luxusgüter unter Druck. Die fehlgeschlagene Versteigerung des Lesedi la Rona ist da nur ein weiteres Steinchen in der Kette der Indizien. Da ist diese Meldung aus Russland Balsam auf die Seelen mancher Händler: Der weltgrößte Diamantenförderer Alrosa wird teilprivatisiert.

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